JURISTISCHE GESELLSCHAFT

FÜR OBER- UND UNTERFRANKEN E.V.

 

Pressemitteilung

Oberlandesgericht
Bamberg
Justizpressestelle

Bamberg, 9. März 2006

Vortrag des Leitenden Oberstaatsanwalts Thomas Janovsky vor der Juristischen Gesellschaft

zum Thema "Stalking - ein Phänomen unserer Zeit"



Auf Einladung der Juristischen Gesellschaft für Ober- und Unterfranken informierte Leitender Oberstaatsanwalt Janovsky aus Bayreuth am 08.März 2006 in der Historischen Bibliothek des Zentraljustizgebäudes Bamberg über das Phänomen "Stalking".


Michael Meisenberg, Präsident des Oberlandesgerichts Bamberg und erster Vorsitzender der Juristischen Gesellschaft, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste - darunter hochrangige Vertreter aus der Justiz, der Verwaltung und der Anwaltschaft sowie von den Polizeibehörden. Meisenberg stellte die Bedeutung und Aktualität des Themas heraus, das an keinem besseren Tag als dem internationalen Weltfrauentag angesprochen werden könne.

Der Begriff "stalking" stammt aus der englischen Jägersprache und bedeutet in diesem Zusammenhang "pirschen, sich anschleichen". Medizinisch wird es definiert als ein Muster von Drohungen und Verfolgungen, das an Besessenheit grenzt oder anomal lang anhält.
Stalking könne sich, so Janovsky in sehr unterschiedlichen Verhaltensweisen äußern. Es reiche vom Schreiben von Liebesbriefen über ständiges Anrufen, Verfolgungen zu Fuß oder mit Hilfe von Fahrzeugen, über direkte oder indirekte Bedrohungen, Sachbeschädigung wie das Zerstechen von Reifen bis hin zu körperlichen Angriffen, sexuellen Straftaten und sogar zu Tötungsdelikten. In nahezu einem Viertel der Fälle würden die Opfer über einen längeren Zeitraum als ein Jahr belästigt, verfolgt und bedroht.

Nahezu jeder komme als potentielles Opfer eines Stalkers in Betracht. Meist jedoch seien ehemalige Partnerinnen oder Partner des Täters betroffen, der die Trennung nicht habe verarbeiten können.
Die Folgen für die Opfer wirkten sich auf deren gesamte Lebensführung und das soziale Umfeld aus. Die Geschädigten litten unter psychischen und physischen Gesundheitsstörungen. Nicht selten fühlten sie sich hilflos und verzweifelt. Selbst ein Suizid sei nicht ausgeschlossen.

Zwar gäbe es eine ganze Bandbreite von rechtlichen Reaktionsmöglichkeiten wie das gerichtliche Verbot, mit dem Opfer in Verbindung zu treten. Ebenso sei eine strafrechtliche Ahndung möglich. Schwierig sei jedoch häufig der Nachweis der Verletzungshandlungen. Auch sei die Strafdrohung, der sich ein Stalker ausgesetzt sehe, relativ niedrig angesiedelt.
Den Opfern empfahl Janovsky dringend, Übergriffe ausführlich und konkret zu dokumentieren, etwaige Zeugen hinzuzuziehen und insbesondere rechtzeitig sachkundige Beratung zu suchen. Am allerwichtigsten sei aber, dass das Opfer alle Annäherungsversuche konsequent und eindeutig ohne auch nur die geringste Nachgiebigkeit zurückweise.

Zur Bekämpfung des Stalking sei ein schnelles und konsequentes Eingreifen der zuständigen Behörden notwendig. Stalking müsse ernst genommen werden. Eine Beratung der Opfer sei unerlässlich. Hierfür stünden Ansprechpartner bei Polizei und Staatsanwaltschaft zur Verfügung. Aber auch das Amt für Jugend und Familie sowie soziale Beratungsstellen und kirchliche Einrichtungen könnten wertvolle Hilfe leisten.

Abschließend berichtete Janovsky über aktuelle Gesetzesvorhaben wie die Einführung einer Deeskalationshaft und die Schaffung des Straftatbestandes der schweren Belästigung, mit deren Hilfe dem Stalking Einhalt geboten werden solle.

An den Vortrag schloss sich eine rege Diskussion zwischen den Zuhörern und dem Vortragenden an, die für den Präsidenten des Oberlandesgerichts Meisenberg ein Beleg für die Brisanz und Vielschichtigkeit des behandelten Themas war.



Dr. Ebert
Richter am Oberlandesgericht
für die Juristische Gesellschaft